Was uns Affen zu Menschen macht, beschreibt sich mit zwei Nebensätzen: „…dass alle Menschen der gleichgeschlechtlichen Objektwahl fähig sind und dieselbe auch im Unbewussten vollzogen haben“. Dieses Fragment klemmte Sigmund Freud 1915 ins Kapitel „Die sexuellen Abirrungen“ seiner drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. Es ist zw. „…ruhelose Flucht vor dem Weibe“ und dem „Objekthomoerotiker“ untergekommen.Weiter heißt es:
„Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuche, die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von den anderen Menschen abzutrennen.“
Und:
„Im Sinne der Psychoanalyse ist also auch das ausschließliche sexuelle Interesse des Mannes für das Weib ein der Aufklärung bedürftiges Problem und keine Selbstverständlichkeit.“
Zwei Thesen hierzu, die es endlich zu diskutieren gilt, unumwunden und aufgeschlossen:
1. Sexualität auch homoerotisch zu praktizieren ist ein Potential aller Menschen.
2. Die Gruppe homosexueller Frauen und Männer ist exemplarisch, aber nicht repräsentativ für menschliche Homosexualität. Der Kern menschlicher Sexualität ist Bisexualität.
(Homo-, Hetero-, Bisexualität meint hier kein identitäres Konzept, sondern eine Handlung.)
Das Gros der damaligen Wissenschaft betrachtete homosexuelle Regungen als Krankheit/Degeneration. Freud hingegen sah sie als Variante psychischer Entwicklung.
Bereits in der griech.-röm. Antike galt die Anziehung zu beiden Geschlechtern als akzeptiert/war verbreitet. Und seit nun mehr 100 Jahren ruht dieser Schlüsselgedanke der Menschwerdung in den Schreinen der Psychoanalyse. Zeit zum Wachküssen. Wachküssen aus einer merkwürdigen Amnesie.
Homosexualität für alle? Homosexualität ein Gattungsmerkmal? Fortpflanzung ein Nebenvorgang? Oder doch alles fehlgeleitete Epimarker? Lesben und Schwule ergänzend auch heterosexuell veranlagt? Zwang zur Flexibilität? Monosexualität ein soziales Konstrukt? Heterosexualität eine soziale Konvention?
Der Vortrag basiert auf dem Text „Die bisexuelle Natur des Menschen – eine soziale Chance“.
Nach einer multimedialen Einführung werden Thesen u. Fakten gemeinsam analysiert und diskutiert.
5.9. 19:30 @Bajszel