25.01.26 Ein Abend zu Eva Siewert

Am 25.01.26 um 19:30 Uhr bei uns:
Das Buch „Damals wurde uns klar, dass Bleiben Lebensgefahr bedeutete“ dokumentiert die Liebesbeziehung zwischen der Journalistin Eva Siewert (1907–1994) und der Büroangestellten Alice Carlé (1902–1943), die sich 1938 in Berlin kennenlernten. Die als Jüdin verfolge Carlé tauchte 1943 in einem Berliner Außenbezirk unter. Fatalerweise konnte ihre Freundin sie nicht vor der nationalsozialistischen Verfolgung schützen, da Siewert ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wegen des Erzählens antifaschistischer Witze im Frauengefängnis Barnimstraße einsaß. Carlés verschlüsselt formulierten Briefe aus dem Untergrund an ihre inhaftierte Lebensgefährtin, die im Buch erstmals veröffentlicht werden, sind bewegende Zeugnisse der Verbundenheit der beiden Frauen.

Bemerkenswert ist: Siewert, die nach Nazi-Definition als „Halbjüdin“ galt, hat sich in der Nachkriegszeit immer wieder kritisch gegenüber Deutschen geäußert. So sah sie etwa ihre gesundheitlichen Beschwerden als „deutliche Quittung auf das unerträgliche Leben unter Deutschen“ an, hielt ihre Landsleute für „unbelehrbar“ und Deutschland für ein
„quälendes Land“. Passend dazu setzte sie auch in ihren gesellschaftskritischen Texten immer wieder Polemik ein, um auf nationale Selbstgefälligkeit, falsche Versöhnungsrhetorik und Heuchelei hinzuweisen. Aber auch schon vor 1933 zeichneten Siewerts Texte sich durch eine intellektuelle Unabhängigkeit und Skepsis gegenüber herrschenden gesellschaftlichen Konventionen aus.

In ihren literarischen Texten verarbeitete Eva Siewert auch den Verlust ihrer Partnerin, die 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Ihre Schriften gerieten jedoch bald in Vergessenheit. Siewerts fragmentarischer Nachlass, der zufällig entdeckt wurde, enthält auch Erzählungen und Gedichte von ihr. Ausgewählte Arbeiten werden vorgestellt.
Für das Webprojekt https://eva-siewert.de hat die Schauspielerin und Kabarettistin @SigridGrajek Texte von Siewert eingesprochen. Auch sie wird an dem Abend im Bajszel teilnehmen, um das Leben von Eva Siewert nachzuzeichnen.

Das Buch ist in Kooperation mit der @Gedenkstaette_Dt_Widerstand erschienen.

Mit Büchertisch der @FrauenLesbenBuchhandlung.

Foto: ©Raimund Wolfert