„Queering Holocaust“? Erinnerungskultur zwischen Anerkennung und Diversifizierungstrend
In den letzten Jahren hat sich das öffentliche Erinnern an den Holocaust deutlich verändert. Die Verfolgung homosexueller Männer im NS wurde lange beschwiegen, was sich nur langsam änderte. Neuerdings wird häufig auch von queeren Holocaust-Opfern gesprochen. Diese Verschiebung wird vielerorts als notwendige „Diversifizierung“ des Gedenkens verstanden. Dabei scheint die Anerkennung verschiedenster Opfergruppen ein Anliegen zu sein. Doch gleichzeitig gerät dadurch die Auseinandersetzung mit dem, was der Begriff Holocaust eigentlich bezeichnet, die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten, zunehmend ins Hintertreffen. Der Vortrag kritisiert diesen erinnerungspolitischen Trend. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Konsequenzen es hat, wenn die Auseinandersetzung mit Antisemitismus durch die Betonung anderer Opfergruppen an Spezifik verliert und was mögliche Gründe für diese Entwicklung sind.
Debora Eller ist Soziologin und Publizistin. 2025 gab sie den Sammelband „Das Subjekt Frau“ mitheraus. Außerdem publiziert sie zu den Themen feministische Theorie, Kritik des Antisemitismus und Psychoanalyse.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Gesellschaft für kritische Bildung.
Mit Büchertisch der FrauenLesben-Buchhandlung.
18.7.26, 19:30 im Bajszel