01.07.26 Dr. Sibylla Flügge: Leihmutterschaft ist kein Menschenrecht

Eine sog. Leihmutter stellt, in der Regel aus finanzieller Not, ihren Körper und ihre gesamte Person neun Monate lang in den Dienst einer fremden Person. Das Kind, das sie zur Welt bringt, wird dadurch zum käuflichen Produkt. Mit dem Wunsch nach einem genetisch „eigenen“ Kind machen Firmen große Gewinne, während die Leihmütter das körperliche und psychische Risiko tragen.
Attraktiv ist diese Möglichkeit vor allem für heterosexuelle sowie für einige schwule Paare. Lesbische Frauen sind nicht auf die Konstruktion der Ersatzmutterschaft angewiesen. Die Situation von heterosexuellen, schwulen und lesbischen Paaren ist in Bezug auf die körperlichen Voraussetzungen, die die Geburt eines genetisch verwandten Kindes betreffen, nicht vergleichbar. Auch der rechtliche Rahmen unterscheidet sich.
Im Kontext der Diskussion um Reproduktive Autonomie behandelt der Vortrag eine Kritik der Leihmutterschaft. Zu hinterfragen sind Argumente, die sich auf den Anspruch der Gleichberechtigung von Frauen und Männern beziehen. Auch geht es um die scheinbare Interessengleichheit von Müttern und Vätern, die durch die Verwendung des Paarbegriffs nahegelegt wird, wie auch um die fiktionale Trennung von schwangerer Frau und Embryo. Die Leihmutterschaft als privatwirtschaftliches Geschäft unterliegt der Logik der liberalen Marktwirtschaft, ethisch muss sie daher auch zumindest an den dort geltenden Standards gemessen werden.

Prof. i.R. Dr. Sibylla Flügge:
Sie studierte ab 1969 Jura an der Goethe-Universität Frankfurt. 1970 wurde sie Mitglied im Weiberrat und ist seither engagiert in der Frauenbewegung. Seit 1983 ist sie Redakteurin der feministischen Rechtszeitschrift STREIT (https://www.streit-fem.de). Nach einer Tätigkeit als Rechtsanwältin, wurde sie 1994 als Professorin für das Fachgebiet »Recht der Frau« an die Fachhochschule Frankfurt berufen. Im Jahr 2017 erhielt sie den Tony-Sender-Preis der Stadt Frankfurt.

Moderation: Markus Wollina
Er ist in verschiedenen Zusammenhängen in der Partei Die Linke organisiert, u. a. im bundesweiten Netzwerk „Linke für eine Welt ohne Prostitution“ (https://linke-gegen-prostitution.de) und in der LAG Säkulare Linke Berlin.

Am 1.7.26, 19:30 im Bajszel